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Altes Brauchtum - Das Laubmännchen

gack, gack Geier, die Hinkel lesche Eier...

so oder ähnlich klang es noch bis in die 1960/70er Jahre am Pfingstmontag in Eschenhahn.

Das Laubmännchen war unterwegs. Das Laubmännchen?

Am ersten Sonntag im Mai hatte die Dorfjugend einen älteren Jungen in frische Buchenzweige eingehüllt. Die Kinder und ihr Laubmann zogen dann singend durch die Straßen und sammelten Eier ein.


Frühling in der 1950er Jahren

Die Tradition ist uralt und geht wahrscheinlich schon auf vorchristliche Zeit zurück.

Der Laubmann symbolisiert den einziehenden Frühling. Die Eier gelten als Fruchtbarkeitssymbol.



L. Wittlich & G. Ullrich beim Umzug 1950er

In der Ausgestaltung des Brauches gab ist in den umliegenden Ortschaften durchaus Unterschiede, so war etwa in Orlen ein Laublämmchen unterwegs.

In einigen Taunusdörfern (u.a. Heftrich, Lenzhahn) wird die Tradition heute noch gepflegt.


Frühling in Eschenhahn

Ungefähr ab den 1900er Jahren haben die Kinder dann ihr Laubmännchen am Pfingstmontag "gemacht"

Pfingstsonntag war Konfirmationstag in der Oberauroffer Liebfrauenkirche.

Der zweite Pfingsttag war deshalb für die Dorfjugend ein weiterer "hoher Festtag"

Zu den frischen Birken, welche an Festtagen die Dorfstraßen schmückten, kam nun noch das helle Grün des Buchenwaldes als weiteres Zeichen des Frühlingseinzugs.

Konfirmanden 1926

Nach ihrer Konfirmation verließen die 14-Jährigen in der Regel die Volksschule, um in das Arbeitsleben zu starten. Manche gingen in eine Stellung, die Lehre oder halfen in der heimischen Landwirtschaft. Ein Studium war die absolute Ausnahme.


Konfirmandinnen 1952

Laubmännchen zu sein war anstrengend, aber natürlich eine große Ehre.

Unter dem schweren Kleid war es heiß, das Laufen anstrengend. Deswegen wurde der Laubmann streckenweise per Bollerwagen gezogen.


Pfingstumzug 1940er Jahre

Das Einholen von frischem Buchenlaub betrachtete die Jugend seit alters her als ihr

ureigenstes Recht. In einer Scheune wurde der Junge dicht in Buchenlaub eingehüllt, so dass er nicht zu erkennen war.

Bei dem Dorfrundgang zeigte der Bub vor den einzelnen Häusern die

„sieben Sprünge“.

Der "Siebensprung" war ein in ganz Deutschland verbreiteter Volkstanz, der als Frühlings-, Erntedank- oder Brauttanz seine Bedeutung hatte.

Nahezu alle Kinder beteiligten sich an dem Umzug mit dem Laubmännchen.

Für die älteren Dorfbewohner war der Umzug eine liebenswerte Erinnerung an die Tage der eigenen Kindheit; für die Jugend aber hatte der Brauch einen doppelten Reiz.

Es war nicht nur die Freude an dem heiß ersehnen Spiel, es war auch die Vorfreude auf eine Belohnung für Maskerade und Gesang. Die Bürger spendeten Eier oder sogar einen kleinen Geldbetrag.

Neben Frühlingsliedern wurde beim Vorstellen des Laubmännchens ein alte Volksweise vorgetragen:

"Gack, Gack, Gack, Gack, Geier

Die Hinkel lesche Eier.

Der Guckguck säuft de Dorrer (Dotter) aus,

sechs Eier raus, sechs Eier raus !

Der Korb ist noch nid voll !"


vor der Schule 1930er Jahre
Schulkinder im Mai 1917


Schulgebäude im Mai der 1950er Jahre

Der Vers über die sieben Sprünge lautete:

"Mache mer mol die siwwe Sprüng.

Mache se alle siwwe.

Seht ihr wie ich danse kann,

schöner als ein Edelmann !"


Nach dem Empfang von Eiern sangen die Kinder zum Dank:

"Die Frau hat uns ein Ei gegeben,

wir lassen sie in Frieden leben,

sie und ihre Kinder,

sie und ihr Gesinder !

Wir schreiben`s auf ein grünes Blatt

von nun an bis in Ewischkeit - Halleluja!"


Wurde die Gabe verweigert, was allerdings höchst selten vorkam, so ertönte folgender

Vers:

"Die Frau hat uns kein Ei gegeben,

wir lassen sie nicht in Frieden leben,

sie und ihre Kinder, sie und ihr Gesinder.

Der Gickel und die Hohne,

die Frau, die muss sich schone"

Eschenhahn im Frühjahr 1950er

Eier mit Speck und Salat stellten im Frühjahr und Sommer eine beliebte Mahlzeit dar.

Als Abschluss ihres festlichen Tuns ließ sich die Kinderschar in einem Privat- oder Gasthaus ( bei Heller/Hanson) einen riesigen Eierkuchen zubereiten.

Dieser wurde dann gemeinsam verzehrt. Die restlichen Eier und das Geld teilten die Kinder untereinander auf.

Dem Vernehmen nach, erhielten die Mädchen und die kleineren Kinder einen geringeren Anteil.

Eschenhahn im Frühjahr 1950er Jahre

Ausflug am 01.05.1950

......gab es bei dem Spaziergang vielleicht ein Gläschen Maibowle?

Für dieses traditonelle Getränk hat man im Mai Waldmeisterkraut gesammelt,

dieses in Wein oder Apfelwein eingelegt und mit Zucker abgeschmeckt.

Eine willkommene Abwechslung für die wenig verwöhnten Dorfbewohner.



verfasst von Bianca Kistler

Mai 2021


Quellen: Buch Eschenhahner Chronik "Menschen & Geschichten"

Buch " Das war ihr Leben - der Alltag im Taunusdorf"

Homepage Heimatverein Heftrich

Bildarchiv GUH Eschenhahn













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